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Munich American Peace Committee (MAPC)





Rede von Jeffrey Schevitz am 10. April 2004 zum Auftakt des Ostermarsches am Orleansplatz


IDEALISMUS UND REALPOLITIK

Wir, Mitglieder des Munich-American Peace Committee, der American Voices Abroad (d.h. der amerikanischen Stimmen im Ausland) und der Organisationen in der neuen amerikanischen Friedensbewegung wie Americans for Peace and Justice (Amerikaner für Frieden und Gerechtigkeit) sind Idealisten, aber wir sind auch Realisten. Wir erkennen, dass nicht nur die Entfernung der Bush-Regierung vom Amt äußerst wichtig für die Welt ist, sondern wir erkennen auch, dass ein neuer Präsident Kerry sich ebenso verhalten würde wie die Machtstruktur und die Machtelite es verlangen. Die New York Times vom 8. April berichtete, dass Senator Kerry die Truppenstärke in Irak erhöhen würde, wie es das amerikanische Verteidigungsministerium empfiehlt.

Seit jeher, wird diese Machtstruktur von den Vertretern amerikanischen Kapitals beherrscht. Wir sind nicht so naiv, unsere Zeit und unsere Energie damit zu vergeuden, diese Schicht oder Klasse überzeugen zu wollen, ihre ureigenen Interessen zu verleugnen.  Auch unter dem Demokraten, Präsident Clinton, haben wir kriegerische Aggressionen im Ausland erlebt. Nein, wir brauchen Macht.

Weil wir nicht die Macht des Kapitals und des Vermögens besitzen, sind wir gezwungen, nicht nur aus moralischen und idealistischen Gründen, DEMOKRATEN zu sein und Macht durch Einigung der Massen der friedliebenden Menschen zu erzeugen! POWER TO THE PEOPLE! 

Auch wenn in erster Linie die amerikanische Bevölkerung für einen Macht-und Politikwechsel in den USA sorgen muss, sind Europäer, Afrikaner, Lateinamerikaner, Asiaten und Menschen aus der arabischen Welt, aber auch die israelische Bevölkerung gefragt. Wir alle brauchen eine weltweite permanente Massenfriedensbewegung, deren natürliche Verbündete die weltweite Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung ist.

Ich bin empört, jeden Tag von neuen Enthüllungen der weltweiten ungezügelten Machenschaften der USA zu lesen oder zu hören: Unterstützung der anti-demokratischen Kräfte in Haiti, nicht nur diesmal; finanzielle und strategische Unterstützung der rechten Kräfte gegen Präsident Chavez in Venezuela, Unterstützung von Mörderbanden in Kolumbien, die besessenen Versuche, das sozialistische Kuba zu zerstören. Die fortschrittliche Sandinista Regierung in Nikaragua wurde von Anfang an sowohl mit finanziellen als auch mit militärischen Mitteln bekämpft.

Muss ich noch die chemische und physische Zerstörung Vietnams und den Coup gegen den demokratisch gewählten Präsident Allende 1973 in Chile erwähnen?

Im Grunde genommen braucht man keine Liste der amerikanischen Ungeheuerlichkeiten; man braucht nur zu schauen, wo auf der Welt fortschrittliche, demokratische Bewegungen versuchen, Institutionen aufzubauen, die der überwältigende Mehrheit der Bevölkerung zugute kommen, z.B. im Gesundheitswesen, Bildungswesen, Wohnungswesen, im Arbeitsleben und in der Wirtschaft. Dort kann man sicher sein, dass US-Interventionen gegen die Verfechter der fortschrittlichen Politik kommen oder schon da sind. Attentate und Massenmord, zerwühlende Propaganda sind die Mittel. Im Zuge der Privatisierungsideologie 2004 sind sogar Privatfirmen beauftragt, Söldner in Irak einzusetzen, um die Zahl der offiziell getöteten US-Soldaten zu mindern.


Was ist die Lehre für die Friedensbewegung? Habt keine Illusionen. Historisch betrachtet, hat die herrschende Elite der USA sich nie gescheut, auch gegen die eigene Bevölkerung Gewalt einzusetzen. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung ist seit mehr als hundert Jahren durch staatliche Gewalt, wie Aussperrung und Mord, bekämpft worden. Wenn wir Erfolg haben und die wirtschaftlichen und politischen Machtstrukturen daran hindern, ihre Interessen durchzusetzen, werden auch wir bedroht und traktiert werden.

Die Antwort auf die Machtelite kann nur sein: immer mehr Menschen für unsere Sache gewinnen und immer mehr Menschen auf der Straße bringen - nicht sporadisch und nicht nur in offensichtlichen Krisenzeiten - sondern regelmäßig wie heute auf dem Ostermarsch, weil der globalisierte Kapitalismus eine ständige Krise ist.